Im Bregenzerwälder Betrieb Wolena werden Naturbettwaren produziert. Andrea Hager war gerade mal 20 Jahre alt, als sie das Unternehmen gründete. „Ich lebe dort, wo andere Urlaub machen“, so Andrea Hager.

Mitten im Wintersportort

Das kleine Dorf Schoppernau ist als Wintersportort weit über die Grenzen hinaus bekannt. Nur die wenigsten wissen allerdings, dass in der 950-Seelen-Gemeinde im hinteren Bregenzerwald auch der Naturbettwaren-Hersteller Wolena seinen Firmensitz hat. Von hier aus werden jährlich 200 bis 250 individuell angepasste Schlafsysteme ausgeliefert. Wer denkt, diese abgelegene Lage sei ein Nachteil, der täuscht sich. „Für mich ist Schoppernau der optimale Standort. Sowohl Einheimische als auch Touristen haben viel Zeit, sich alles in Ruhe anzusehen und auszuprobieren“, sagt Geschäftsführerin Andrea Hager und ergänzt: „Vorarlberger Kunden verbinden den Besuch bei uns im Geschäft gerne mit einem Ausflug. Sie kommen zuerst zu uns und gehen danach noch Skifahren oder Wandern.“ Kundenkontakt statt Webshop.

Zusätzlich zum Geschäftslokal in Schoppernau baut man bei Wolena auf ein Netzwerk an Tischlereibetrieben aus ganz Vorarlberg, die die Naturbettwaren in ihren Geschäften bewerben. Und natürlich präsentieren Hager und ihre Mitarbeiter ihre Produkte auch auf Fach- und Publikumsmessen.

Individuell abgestimmt

Statt auf einen Web-Shop setzen sie auf den persönlichen Kontakt mit den Kunden. Schließlich wird das Bettensystem individuell auf die Größe und das Gewicht jedes Einzelnen abgestimmt. „Der Kunde wird genau abgemessen. Je nach Schulter- und Beckenbreite beziehungsweise -höhe wird das Schlafsystem perfekt auf die Körpermaße abgestimmt“, erklärt Hager. Der von Harald Müller entwickelte dreiteilige und beidseitig verwendbare Lamellenrost gilt als das Herzstück des Wolena-Systems. Das dafür verwendete Eschenholz stammt aus dem Nachbarort Au. Der Lamellenrost wird genauso wie die Matratze direkt in der Produktionsstätte in Schoppernau hergestellt. Und auch die Naturkautschukmatratze übernimmt eine ebenfalls stützende, aber auch den Körper sanft
lagernde Funktion. Zudecken, Kissen und Matratzenauflagen werden noch auf Lohnarbeit genäht. Eine Kooperation mit der Arbeitsinitiative Integra in Schwarzach sorgt dafür, dass auch bei den Näharbeiten ein Teil der Wertschöpfung im Land bleibt.

Wolle, Energie und Natur

So ergibt sich der Markenname Wolena. Und ist auch die Hauptzutat, denn als optimales Material für diese Produkte hat sich ein Gemisch aus Wolle und Hanf erwiesen. „Hanf hat eine kühlende Eigenschaft. Wolle ist weich und flauschig und nimmt zudem die Feuchtigkeit auf. Die beiden ergänzen sich somit perfekt“, erklärt die Unternehmerin. Die verwendete Baumwolle, Schafwolle und Hanffasern stammen aus kontrolliert biologischem Anbau beziehungsweise aus kontrolliert biologischer Tierhaltung.

Schon als Kind den Wunsch zur Unternehmerin

Genauso wie das Unternehmen Wolena ist auch dessen Gründerin stark im Bregenzerwald verwurzelt. Ihr Elternhaus, in dem sie gemeinsam mit ihren vier jüngeren Geschwistern aufgewachsen ist, ist in Sichtweite zu ihrem Firmensitz. Als Jugendliche dachte sie einige Male ernsthaft daran, dem Landleben den Rücken zuzukehren. „Es nervte mich ab und zu, dass die Busverbindungen so schlecht waren und es kaum Freizeitangebote für Junge gab“, sagt Hager und lacht. Doch mit der Zeit lernte sie das Leben im Bregenzerwald immer mehr zu schätzen. „Ich lebe dort, wo andere Urlaub machen“, schwärmt die 27-Jährige.

Schon als Kind hatte sie nur einen Berufswunsch: Sie wollte genau wie ihr Vater, der Architekt ist, Unternehmerin werden. Nur die zündende Geschäftsidee fehlte. So reiste sie nach der Matura an der Tourismusschule in Bezau erstmal für zwei Monate nach Indien, um  Pläne für die Selbstständigkeit zu schmieden. „In dieser Zeit habe ich viel über Demut, Dankbarkeit und Wertschätzung gelernt – Dinge, die mir jetzt im Geschäftsleben zugutekommen“, sagt Hager. Zurück in Österreich besuchte sie die Einrichtungsberatungsschule in Kuchl. „Während der Ausbildung beschäftigte ich mich viel mit dem Thema Schlafraum. Ich habe mich schließlich auf das Produkt Bett spezialisiert, weil ihm so ein großer Stellenwert zukommt“, erzählt die aufgeweckte Schoppernauerin. Nach ausführlicher Recherche und regem Austausch mit Experten gründete die Wälderin im Jahr 2012, kurz vor Abschluss ihres Studiums, das Unternehmen Wolena.

Einfach die Chance ergriffen

Jung und voller Tatendrang. Dass sie als gerade mal 20-Jährige in die Selbstständigkeit startete, sieht sie nicht als Nachteil. Im Gegenteil: „Ich habe nicht lange überlegt, sondern einfach die Chance ergriffen. Später hätte ich den Mut vielleicht nicht mehr gehabt“, sagt sie. Sie stürzte sich voller Tatendrang und Optimismus in ihre neue Aufgabe. Die Anfangszeit war dann aber doch nicht so einfach, wie es sich die junge Unternehmerin vorgestellt hatte. „Meine Mitarbeiter waren zum Teil doppelt so alt wie ich und männlich. Wir mussten als Team zuerst zusammenfinden“, so Hager. Mittlerweile hat sie sich gut in ihrer Rolle als junge Chefin eingelebt. „Mir ist es wichtig, dass es ein Miteinander ist. Den Chef heraushängen lassen, das ist nicht mein Ding“, lässt die 27-Jährige wissen.

Erfolgreiche Laufbahn

Nach mittlerweile sieben Geschäftsjahren zieht die geschäftstüchtige Bregenzerwälderin eine positive Zwischenbilanz: Insgesamt wurden knapp 1800 Wolena- Schlafsysteme verkauft. Davon ging fast ein Drittel ins benachbarte Ausland. Auch zwei Hotels wurden mittlerweile mit den Naturbettwaren aus Schoppernau ausgestattet. Als Höhepunkt ihrer Laufbahn bezeichnet sie die Auszeichnung mit dem Unternehmerinnen-Award der Wirtschaftskammer in der Kategorie Innovation im Jahr 2016. „Es läuft super und ich hoffe einfach nur, dass es so weitergeht“, sagt Hager.

 

Textautorin: Getraud Höfle-Peter, Neue Vorarlberger Tageszeitung